Medienkritiker behaupten, die Skandalisierung werde von den Medien betrieben. Sie fassen die „Skandale" als Ausnahmen auf. Damit verkennen sie aber, dass Unternehmenskommunikation per se zu „Kriegsschauplatz" geworden ist. Denn es ist in der Regel nicht so, dass skandalwütige Medien Konflikte aller Art aufdecken und sie dann hochziehen. Die Regel ist vielmehr, dass Akteure die Medien ganz gezielt benutzen, um einen Wettbewerber oder einen Interessenvertreter schlecht aussehen zu lassen.
Dabei folgen die Mechanismen der Medienskandale um Unternehmen einem immer gleichen Muster: Unternehmen, werden als Goliath gesehen: groß, mächtig und deshalb erfolgreich. Das Publikum seinerseits sieht sich in der David-Perspektive: klein, schwach und abhängig und unterstellt, dass es dem Großen gelingt, im Schatten seiner Macht seine Vorteile auszuspielen.
Archetypische Muster wie hier das David-Goliath Bild setzen eine Dynamik der Aufklärungsinteressen in Gang, die in den Medien zum Thema wird. Es gibt für Unternehmen kaum eine Chance diesen archetypischen Rollenrastern zu entgehen. Umso wichtiger für alle Unternehmen Kommunikation so kontinuierlich wie möglich zu gestalten: Ein Goliath, den die Öffentlichkeit gut kennt, ist nicht so anfällig für „Skandale".
Umgekehrt gilt: Öffentliche Akteure, die in die Negativschlagzeilen geraten, verdanken das zu großen Teilen den eigenen kommunikativen Versäumnissen. Indem sie ihre Rolle als Akteur in der Vergangenheit nicht aktiv und offensiv gestaltet haben, haben die Unternehmen die Deutungshoheit über ihre Entscheidungen und Aussagen aus der Hand gegeben. Und das Publikum hat die Gunst der Stunde genutzt, den fahrlässigen Akteuren seine eigne Deutung aufgezwungen und genießt seinen David-Sieg.
Sie erkennen die Situation wieder? Dann sind Sie vielleicht selbst als Goliath in einem solchen archetypischen Kommunikationsmuster gefangen. Hier hilft kein Trick, sondern nur ein gut geführter Dialog.